Sozialwirtschaftliche Managementtagung 2015

Eine Veranstaltung von Herrn Prof. Dr. Reiss am 4. März 2015, Hochschule Mainz

Managementtagung 2015

(Alle Fotos: Businessfotostudio Eidens-Holl)

Hochschule Mainz und ifams feiern
20. Jahrestagung

„Intelligente Steuerung – Chancen nutzen“ – unter diesem Motto fand am 4. März 2015 die mittlerweile 20. Sozialwirtschaftliche Managementtagung von Prof. Reiss in der Aula der Hochschule Mainz statt. Zu der Jubiläumsveranstaltung war erneut mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus zahlreichen sozialen Verbänden und Organisationen gut besucht. Dies zeigt, wie fest die jährliche ifams-Tagung in der Sozialbranche verankert ist.

 Der Präsident der Hochschule Mainz, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, erklärte zu Beginn, er sei sehr froh, der ifams-Tagung eine Heimat bieten zu können. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Vernetzung. Die Dekanin am Fachbereich Wirtschaft, Prof. Dr. Anett Mehler-Bicher, ergänzte, die enge Verzahnung mit den Sozialwirtschaftstagungen habe den Fachbereich geprägt. Insgesamt hätten bislang über 100 Studierende des Fachbereichs dadurch anwendungsorientierte Abschlussarbeiten schreiben können.

Prof. Hans-Christoph Reiss, Begründer des ifams-Instituts und wissenschaftlicher Leiter, erinnerte in seiner Eröffnungsrede an den Grundgedanken, mit den Tagungen Themen aufzugreifen, die zeitlich vorausblicken. So sei bereits über den Führungskräftemangel diskutiert worden, lange bevor dies zum Topthema in Politik, Gesellschaft und Medien avancierte. Das gleiche gelte für das Thema „Markenbildung“. Doch das vorausschauende Denken allein sei es nicht, was die Sozialwirtschaftliche Managementtagung einzigartig mache. „Es sind zudem die Studierenden!“, erklärt er. „Sie konnten und können durch das ifams Zukunft mitgestalten.“ Eines der größten Projekte sei die flächendeckende Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung in den rheinland-pfälzischen Justiz- und Vollzugsanstalten gewesen. Und ans Publikum gewendet sagte er: „Die Fragestellungen kommen dabei häufig von Ihnen! Wir setzen diese in studentische Arbeiten um.“ 

 

Experte: Branche braucht bessere interne Abläufe  

Prof. Dr. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) in München zeigte in seinem Impulsreferat auf, wie wichtig es insbesondere für kommunale Träger ist, die eigene Prozess- und Ergebnisqualität zu verbessern. Hier bestehe großer Nachholbedarf. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen unter dem Titel „So entwickeln sich Sozialunternehmen: 20 Jahre innovativ und ökonomisch kompetent!“ nannte er als zentrale Herausforderung, sich auf mehr Service auszurichten. Kundenzulauf erreichten private ebenso wie öffentliche Träger nur durch effiziente interne Abläufe und eine konsequente Ausrichtung auf beste Dienstleistung. Dabei ermutigte er die Vertreterinnen und Vertreter kommunaler Einrichtungen insgesamt zu mehr wirtschaftlichem Denken. „Profitstreben an sich ist nicht zu verteufeln. Nur Überschüsse sichern auf Dauer die Existenz auch von öffentlichen Sozialunternehmen.“ Gewinn sei nicht gleichzusetzen mit Ausbeutung, sondern als Beweis, dass es jemand besser mache als andere.

 

Effizienz Thema auch in allen Workshops

Anschließend standen zwei Workshop-Runden auf dem Programm. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen folgende vier Themen-Foren zur Wahl: Im „Iffland-Forum“ ging es um Neuerungen beim Vergütungsrecht (Referent: Sascha Iffland, Kanzlei Iffland & Wischnewski GbR, Darmstadt). Das Curacon-Forum beschäftigte sich Corporate Governance als Teil der Unternehmenssteuerung (Referent: Matthias Borchers, Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Münster). Beim „Wilken Entire-Forum“ wurde in Form eines Praxisbeispiels über die Einführung des Entire-Rechnungswesens bei der St. Elisabeth-Stiftung in Bad Waldsee berichtet (Referenten: Volker Brödenfeldt, Bereichsleitung Vertrieb und Geschäftsfeldentwicklung, und Berater Ulf Waterstraat, beide Wilken Entire GmbH, Ulm). Im „TASCO-Forum“ beschäftigten sich die Workshop-Teilnehmer mit der Frage, wie Sozialunternehmen ihre Wirtschaftlichkeit durch professionelle Einkaufsprozesse stärken (Referent: Jürgen Menzel, Tengelmann Audit GmbH (TASCO), Wiesbaden).

 

Grenzen und Möglichkeiten

In der abschließenden Diskussionsrunde ging es um die Finanzierungszukunft sozialwirtschaftlicher Unternehmen. Auf dem Podium saßen Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Berlin, und Wolfgang Schnörr, Direktor des Caritasverbandes Mainz e.V. Eingeladen war auch Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die aber nicht kommen konnte. Ihr Vertreter, Bernhard Scholten, Leiter der Abteilung Soziales und Demografie im Sozialministerium, erkrankte in der heißen Phase der Grippewelle. So fehlte der Diskussion letztlich etwas die Würze. Denn die beiden Gesprächspartner hatten sich auf die Möglichkeit gefreut, mit der Landesregierung heiße Eisen zu diskutieren. Moderator Dieter Schmitt vom saarländischen Rundfunk saß damit neben zwei Gesprächspartnern, die beide die Politik gerne mit ihren Forderungen konfrontiert hätten. Meurer erklärte am Beispiel der Pflegeheime, in den kommenden zehn Jahren müssten 110 Milliarden Euro investiert werden. Doch von alleine würden diese Investitionen nicht kommen. Notwendig seien Anreize aus der Politik. Außerdem beklagte er, die Politik bremse mit Regelungen und Gesetzes unternehmerisches Handeln geradezu aus. Dies gelte für die Bundesregierung ebenso wie für die rheinland-pfälzische Landesregierung.

In seinen Statements unterstützte Caritasdirektor Schnörr die Analyse von Prof. Neubauer und räumte ein, hinsichtlich Effizienz und Kostendenken gebe es in der Sozialbranche noch viel zu tun. Zugleich müsse es um die Frage gehen: „Mit welchen Mitteln können wir uns was leisten?“ Als wichtige Finanzierungsquelle sieht er das Instrument des Fundraising. Als konkretes Beispiel nannte er die Aktion „Ein Bett – für schnelle Hilfe in akuter Not“. Im vergangenen Jahr belief sich das Spendenergebnis auf knapp 100.000 Euro.

Die 20. Sozialwirtschaftliche Managementtagung klang mit einem Jubiläumsempfang aus – und darf durchaus wörtlich genommen werden. Denn zu den abschließenden Worten spielte das Jazzduo Bachor & Pech.

Die Vortragsthemen zu dieser Veranstaltung sowie weitere Informationen finden Sie in dem Flyer oder unter www.swmt.org!

Die Sozialwirtschaftliche Managementtagung 2016 planen wir für den 2. März 2016.